Martinus-Kirche als Leinwand für „Mapping-Stories“
Nottuln. Die Künstlerin Nikola Dicke macht mit ihrem Trickfilm-Projekt „Mapping Stories“ persönliche Erinnerungen zur Gebietsreform von 1975 sichtbar. Aus Gesprächen mit Zeitzeug:innen entstand ein Film in Mixed-Media-Technik, der nun als Open-Air-Kino auf Tour geht.
In Nottuln sind die Projektionen auf dem Kirchturm und den Außenwänden der St. Martinus-Kirche am Donnerstag (27. März) um 20 Uhrzu sehen. Im Gespräch mit Hans-Peter Boer, ehemaliger Kulturdezernent im Regierungsbezirk Münster und Autor mit besonderem Schwerpunkt auf die Ortsgeschichte Nottulns, gibt es Einblicke auf die Auswirkungen im Gemeindegebiet. Die Nottulner:innen sind eingeladen, ihre persönlichen Erfahrungen zu teilen.
Treffpunkt ist vor der Versöhnungskapelle an der St. Martinus-Kirche auf dem Stiftsplatz. Die Veranstaltung ist kostenfrei. Sitzgelegenheiten und heißer Tee stehen bereit. Bei schlechtem Wetter findet das Gespräch in der St. Martinus-Kirche statt.
Vor 50 Jahren ist in Nordrhein-Westfalen das Gesetz zur kommunalen Neugliederung in Kraft getreten. Zum 1. Januar 1975 entstand auch der Kreis Coesfeld in seiner heutigen Form. Unter dem Titel „Schilderwechsel“ hat das Kulturbüro Münsterland e.V. dem gewaltigen Umstrukturierungsprozess nachgespürt. Aus künstlerischer Perspektive wird die Geschichte, ihr Einfluss auf regionale Identitäten und das lokale Selbstverständnis beleuchtet. „Mein Anliegen ist es, die Lebensgeschichten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen durch im öffentlichen Raum projizierte Trickfilme sichtbar zu machen und zugänglich zu präsentieren“, sagt Nikola Dicke (geb. 1971) aus Lüdinghausen.
Sie erlebte die Gebietsreform im Münsterland als Kind selbst mit. Ihr Studium der Freien Kunst absolvierte sie in Münster; seit 2006 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig. Ihr Schwerpunkt liegt auf Lichtzeichnungen, die sie mit den jeweiligen Orten und deren Geschichten verbindet.
Aus Gesprächen, Zeitungsartikeln, Fotos, Illustrationen und handgezeichneten Karten ihres Vaters, der ehemals Vermessungsingenieur beim alten Kreis Lüdinghausen und später beim neuen Kreis Coesfeld war, hat Nikola Dicke einen Trickfilm geschaffen.
„Die Gebietsreform hat das Leben vieler Menschen im Münsterland tiefgreifend verändert, auch das meiner Familie. Heute, Jahrzehnte später, sind die damaligen Entscheidungen zwar Geschichte, doch ihre Auswirkungen noch spürbar“, so Dicke über den persönlichen Zugang zu dem Thema. Auch die Gespräche vor Ort fließen in das Projekt ein. Die Endfassung des Films wird zur Abschlussveranstaltung vom 3. bis 8. Mai auf der Burg Vischering in Lüdinghausen zu sehen sein.
„Mapping Stories“ ist Teil des Projekts „Schilderwechsel – 50 Jahre Gebietsreform im Münsterland“, veranstaltet vom Kulturbüro Münsterland. Partnerinstitutionen des Projekts sind Burg Hülshoff – Center for Literature (CfL), DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst, FARB – Forum Altes Rathaus Borken, Filmwerkstatt Münster, Kulturgut Haus Nottbeck und Theater im Pumpenhaus. „Schilderwechsel“ wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW (Förderprogramm RKP – Regionales Kultur Programm NRW), die Volksbank Westmünsterland eG und die Werte-Stiftung-Münsterland. Weiter wird das Projekt von der LWL-Kulturstiftung im Rahmen des Kulturprogramms zum Jubiläumsjahr 2025 „1250 Jahre Westfalen“ gefördert. Schirmherr dieses Kulturprogramms ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
